Das EOW-Gelände

1992 – Das Versprechen des OB

In der Stadtchronik des Jahres 1992 sind folgende Einträge zu finden zur Idee, dem Bürgerprotest, den Abrissplänen und dem Beginn der Abrissarbeiten auf dem EOW-Gelände.

Donnerstag, 09. Januar 1992

Der Ankauf der Immobilien und Liegenschaften der Ex-Leuchten GmbH Oberweimar wird von der Dezernentenrunde beschlossen. Die Treuhand stimmte dem Erwerb bereits zu. Mit dem Ankauf sollen zwei Arbeitskräfte sowie vorerst auch die bestehenden Mietverträge übernommen werden. Aus dem Terrain des südlichen Ausläufers des Parks an der Ilm soll die Industrie ausgesiedelt, das Gelände neu geordnet und sorgsam renaturiert werden (TA v. 10.01.1992)

Montag, 20. Juli 1992

Mit dem Abriß der EOW-Gebäude wird die Stadt noch dieses Jahr beginnen. Voraussetzung ist allerdings, daß die Firma Stahl ihre Leuchtenproduktion in den neuen Betriebskomplex im Industrie- und Gewerbegebiet Nord verlagert, teilt Wirtschaftsdezernent Peter Rieck (CDU) mit (TLZ v. 22.07.1992)

Montag, 27. Juli 1992

Die Fraktion NF/Grüne/UFV der SVV wendet sich in einem Brief an OB Dr. Klaus Büttner (CDU) gegen die Errichtung eines Tennis-Leistungszentrums auf dem früheren EOW-Gelände (TA v. 27.07.1992)*

Montag, 03. August 1992

Im Rathaus macht OB Dr. Klaus Büttner (CDU) vor Vertretern der Öffentlichkeit deutlich, daß er mehr Transparenz in der Zusammenarbeit mit den Stadtverordneten anstrebt. Wenn es nach der parlamentarischen Sommerpause um das EOW-Gelände und das in Abgeordnetenkreisen und in der Bevölkerung umstrittene Projekt Tennis-Leistungszentrum geht, will das Stadtoberhaupt den Bauausschuß zu einer Tagung direkt vor Ort einladen. Auf dem EOW-Areal sollen die Pläne den Abgeordneten detailliert erläutert werden. „Bereits seit geraumer Zeit steht übrigens fest, daß von den Gebäuden des EOW kein einziger Stein mehr übrigbleiben wird“ unterstreicht er. – Ungläubige Einwände des Abgeordneten Rudolf Keßner (NF/Grüne/UFV) führen zum Abschluß einer Wette zwischen beiden Herren: Ein Kasten Sekt ist zu gewinnen oder zu verlieren. – „Ich kann einfach von Vertretern unterschiedlicher Provinienz hier in dieser Stadt verlangen, daß sie mir, wenn ich als Oberbürgermeister der Stadt Weimar etwas sage, zumindest solange glauben, bis sie das Gegenteil beweisen können“, äußert Dr. Büttner u.a. in einem Interview mit der TLZ, das heute unter der Überschrift „Zwei Jahre in Weimar – Zeit für einen Rückblick“ ganzseitig veröffentlicht ist (TLZ vom 03./04./06.08.1992)*

Sonnabend, 19. September 1992

Die „Freunde der Grünen Schlange“ – Initiative Denkmalschutz und kulturelle Identität Weimar e.V. – stellen sich erstmals der Öffentlichkeit vor und laden zu einer Stadt- und Parkführung sowie zu einem Diskussionsabend im Bienenmuseum ein. Mit Vorträgen, Symposien und verschiedenen Arbeitskreisen wollen sie sich künftig in das kulturelle Leben der Stadt einbringen (TLZ v. 22.09.1992: WKJ 8/1992)*

Montag, 28. September 1992

Mehr als 100 Interessierte nehmen an der öffentlichen Sitzung des Bauausschusses der SVV auf dem EOW-Gelände teil. Der Münchener Architekt Hermann Grub stellt seinen Entwurf des Bebauungsplanes für das EOW-Terrain vor. Das geplante Thüringer Tennisleistungszentrum mit fünf Tennishallen und Außencourts am Ende des Ilmparkes stößt auf hartnäckigen Widerstand bei Denkmal- und Naturschützern (TA/TLZ v. 29.09.1992)*

Dienstag, 29. September 1992

Baudezernent Peter-Klaus Kiefer (ptl.) reagiert auf die herbe Kritik am geplanten Tennisleistungszentrum mit dem Versprechen, auch andere Standorte wieder in Erwägung zu ziehen (TLZ v. 30.09.1992)

Mittwoch, 28. Oktober 1992

Bei einer Tagung von Wirtschafts- und Umweltausschuß auf dem Gelände des ehemaligen EOW sichert Wirtschaftsdezernent Peter Rieck (CDU) den 13 dort ansässigen Firmen mit etwa 100 Mitarbeitern zu, solange verbleiben zu können, bis sie Alternativstandorte gefunden haben. Die vorgesehene Rekultivierung der 9000 Quadratmeter großen Industriebrache.

Montag, 16. November 1992

Auf dem EOW-Gelände wird der 38 Meter hohe Schornstein demontiert. Er ist der fünfte „Wolkenkratzer“, der nach der Wende aus Weimars Stadtbild verschwindet. (TA/TLZ v. 17.11.1992)

Mittwoch, 09. Dezember 1992

Als möglicher alternativer Standort für das vorgesehene Tennis-Leistungszentrum steht jetzt ein Gelände nördlich des Arbeitsamtes an der Buttelstedter Straße zur Debatte. Das ehemals landschaftlich genutzte Terrain ist derzeit Treuhand-Eigentum. Der ursprünglich vorgesehene Standort der Anlage auf dem EOW-Gelände war aufgrund der Bürgerproteste zurückgenommen worden (TA v. 09.12.1992)

* Die genannten Zeitungsartikel haben wir im Stadtarchiv eingesehen und abgelichtet. Eine Veröffentlichung auf dieser Seite ist gebührenpflichtig. Das genannte Gebühr in Höhe von 500,00 € steht uns jedoch nicht zur Verfügung.