Das EOW-Gelände

Brief an OB vom 13.Juni

Herr Günter Johnson ist Geologe und wohnt im Ortsteil Oberweimar.
Er steht zur vollständigen Renaturierung und schreibt noch ein paar Argumente die für den Abriss des Hauptgebäudes stehen, gemäß Beschluss der CDU-regierten Stadtverwaltung von 1992 
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
auch ich erwarte mit Spannung und höchstem Interesse den Ausgang der Abstimmung des Stadtrates zur weiteren Vorgehensweise der Stadt im Bereich des EOW-Geländes, wobei unsere Wünsche dazu sicher weit auseinander liegen. Meinerseits bin ich nach wie vor für den kompromisslosen Abriss der 3 Werkhallen, der 10 Garagen, vor allem auch des großen Verwaltungsgebäudes sowie der Beseitigung der Flächenversiegelung.
Es ist völlig egal, ob Verkauf oder Erbbaurechtsvertrag, das alte Verwaltungsgebäude steht den notwendigen Hochwasserschutzmaßnahmen vollumfänglich im Weg. Der über Jahrzehnte geplante Grünzug von Tiefurt über den Ilmpark und die Ilmaue bis nach Belvedere könnte dann nicht mehr realisiert werden. Hochwasser- und Landschaftsschutz  werden von der Verwaltung ignoriert. Die Meinung der Oberweimarer, manifestiert mit den ca. 1600 Stimmen der Petition für eine Renaturierung des EOW-Geländes, ebenfalls.
Übrigens hat jeder Bürger das Recht, eine Petition in die Wege zu leiten. Und die eingereichte Petition zur „Vollständigen Renaturierung ……..“ ist von ihrer Begründung stichhaltig, von kompetender Seite erarbeitet und bietet eine ausgezeichnete Vorlage für das weitere Handeln  der Stadt, auch im Hinblick auf die Beantragung von Fördermitteln.
Es ist mir bis heute völlig unverständlich, wie ein weimarer Planungsbüro für geschätzte 1,2 Mio EUR 2 Hallen und einen Garagenkomplex abreißen und die Flächenversiegelung beseitigen und dieses desolate, abrissreife, ehemalige Verwaltungsgebäude von Anbauten befreien, rekonstruieren und darin Büros für sich und Wohnungen für nochmals ca. 1,5 Mio EUR errichten will. Und das im Überschwemmungsgebiet der Ilm, wo doch das Bauen in Talauen eigentlich untersagt ist.
Es gibt mit Sicherheit andere Optionen für das Büro und die Stadt. Beispielsweise ist ein Baugrundstück an der Ecke Erfurter / Bruckner Str. seit Jahren unbebaut. Der Bau eines neuen Bürogebäudes wäre hier mit Sicherheit schneller und kostengünstiger zu erreichen.
Aber der Stadt geht es um das Geld, was mit diesem Deal der Stadtkasse zufließen würde. Aber damit wird die einmalige Chance, das EOW-Gelände
zu renaturieren, vertan.
Die Meinung dazu, beispielsweise des Weimarwerks, ist einfach obskur, wenn gesagt wird, man solle nicht landschaftsgärtnerisch aufwerten, da jeder zusätzliche Baum die natürliche Wirkung als Retensionsfläche verringern würde (Rathauskurier v0m 15. Mai 2021). Das ist Unsinn.
Auch Ihre Meinung, Herr Oberbürgermeister, dass mit dem Erhalt des Verwaltungsgebäudes die Stadt die Chance auf einen Hochwasserschutz
sieht, der „besser wäre, als wir ihn je hatten“ ist, bei allem Respekt, nicht nachvollziehbar und stimmt so einfach nicht. Aber die Meinungen im Stadtrat
gehen weit auseinander: Die einen sagen, jeder Baum im renaturiertem EOW-Gelände widerspricht dem Hochwasserschutz, andere glauben, das zu erhaltende, ehemalige Verwaltungsgebäude im direkten Hochwasserstrom würde Schutz vor möglichem Hochwasser bieten – beides ist absurd.
Man lese noch einmal die Petition und das Hydrologische Gutachten und wer verantwortungsbewusst den Hochwasserschutz für Oberweimar im Auge hat, kommt an einem Totalabriss im Bereich des EOW-Geländes nicht vorbei.
Mit freundlichen Grüßen
Dipl. Geologe Günter Johnsen
Fritz-Reuter-Straße
99425 Weimar
T.: 852066

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